Schulkarte „Unter dem Bundschuh“, nach einem Original von H. Eichmeyer, Stuttgart 1931.

Am 12. Mai 1525 endete vor den Toren Böblingens der sogenannte württembergische Bauernkrieg mit der Niederlage der Aufständischen gegen die Truppen der Herrschaft, den Schwäbischen Bund. Zuvor war nahezu kein Dorf, keine Stadt vom Aufstand ausgeschlossen und stellte die Menschen vor Entscheidungen. Welchen Preis hat Veränderung, in einer Zeit, in der Protest in jeglicher Form verboten war?

Als historisches Spezialmuseum erinnert das Haus seit seiner Gründung im Jahr 1988 mit dem Bauernkrieg 1525 an die früheste Protestbewegung im Land, die 15.000 Menschen aus dem gesamten Südwesten mit ihren Ideen und Hoffnungen schließlich vor Böblingen zusammenbrachte. An diese historische Rolle möchte das Haus anknüpfen und versteht sich als Ort des Austauschs, an dem die vielfältigen Stimmen des damaligen Protestes sichtbar gemacht, diskutiert und in unsere Gegenwart übersetzt werden.

Aufkleber „Teststrecke? – Nein Danke!“, Boxberg 1978.

Druckschriften, Graphiken, Militaria und Gegenstände der Alltagskultur gehören zur Sammlung des Hauses. Als Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte stellt das Museum dabei das zeitlose Bedürfnis nach Mitsprache mit seinen Licht- und Schattenseiten ins Zentrum seiner Vermittlungsarbeit. Darüber hinaus eröffnet der Bauernkrieg als Teil unserer Freiheitsgeschichte mit Themen wie Mechanismen von Protest, der Bedeutung von Religion, Medien und Botschaften wichtige Zugänge zu aktuellen Debatten über Mitsprache, Partizipation und gesellschaftlichen Wandel.

Dabei spielt nicht nur die historische Protestbewegung selbst, sondern auch ihre Deutung über die Jahrhunderte eine zentrale Rolle. Denn seit 500 Jahren wird die „gescheiterte Revolution“ ganz verschieden gedeutet: Von der „unrechtmäßigen Empörung“, die die Sieger des Aufstandes zeichnen, bis hin zum sozialistischen Klassenkampf als Teil der Staatsideologie in der DDR. Der Aufstand wird bis heute zum Vorbild, Leitbild und Argument und zeigt, wie Geschichte funktioniert. Ein Potenzial, das das Haus zukünftig stärken möchte.