1525 - Württemberg im Aufstand

Organisation: Prof. Dr. Sigrid Hirbodian (Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften), Lea Wegner, M.A. (Deutsches Bauernkriegsmuseum Böblingen)

Die Angst vor einer neuen Gesellschaftsordnung. Die Angst vor der „Gleichheit aller Menschen“, vor der „Niederdrückung, dem Abfall, Sterben und Verderben aller Ober- und Ehrbarkeit, vor einer Zerstörung des Adels“. Im Angesicht des Bauernkrieges und der Forderungen der Aufständischen nach Rechten, Freiheiten und politischer Teilhabe fürchtete die württembergische Regierung um ihren Machterhalt, der Adel und die Kirche um ihre Jahrhunderte alten Rechte und Privilegien. Im Jahr 1525 befand sich Württemberg im Aufstand. Es sollte zur Nagelprobe für die Mächtigen werden.
Doch was bedeutete eine solche Ausnahmesituation für die einzelnen Menschen, mit welchen Maßnahmen versuchten Individuen und Gruppen die Krise zu überstehen, sie zu bewältigen oder gar für ihren eigenen Vorteil zu nutzen? Wie etwa sah die Krisenkommunikation der Reichsstadt Reutlingen aus? Welche Maßnahmen ergriffen die Äbte der Klöster Bebenhausen und Zwiefalten, um ihre Bauern von einem Aufstand abzubringen? Und wie versuchte ein vertriebener Herzog den Aufstand in „seinem Herzogtum“ zu nutzen, um wieder an die Macht zu gelangen? Die Ringvorlesung stellt insbesondere die Akteur*innen der Aufstände in den Vordergrund und legt den Fokus auf die Zwischentöne der Unruhen, die von einer traditionell gegensätzlichen Betrachtungsweise geprägt sind.  
Neben dem Handeln der Zeitgenossen nimmt die Ringvorlesung ebenfalls die Auseinandersetzung mit dem Bauernkrieg durch spätere Generationen bis in die Gegenwart in den Blick. Kaum ein anderes historisches Ereignis erfuhr und erfährt bis heute eine so vielfältige Rezeption in der Kunst, Kultur und Geschichtsschreibung. Wie erfuhr der Bauernkrieg beispielsweise eine politische Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten? Und welches Potential stellt das historische Ereignis für heutige gesellschaftspolitische Diskurse im Bildungsbereich dar? Anlässlich der nahenden 500-jährigen Wiederkehr der Bauernunruhen möchte die Ringvorlesung die Thematik in das öffentliche Bewusstsein rücken sowie neue Akzente für deren wissenschaftliche Betrachtung setzen.

Vorträge

  • Zwischen Konflikt und Selbstbestimmung – Die ländliche Gesellschaft um 1500 am 26.04.2023, Sigrid Hirbodian (Tübingen) / Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Das „göttliche Recht“ – Motivation und Legitimation des Bauernkriegs 1525 am 03.05.2023, Sabine Holtz (Stuttgart)
  • „Sie versammeln sich und beklagen ihre Beschwerden“. Die Klöster Bebenhausen und Zwiefalten im Bauernkrieg am 10.05.2023, Wilfried Setzler (Tübingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Der Gegner – Der Schwäbische Bund im Bauernkrieg am 17.05.2023, Horst Carl (Gießen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • „Wie sich ettlich Bawren sameln und zusamen lauffen“. Städtische Krisenkommunikation im Bauernkrieg am Beispiel der Reichsstadt Reutlingen am 24.05.2023, Roland Deigendesch (Reutlingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Strafverfolgung und Friedenssicherung nach dem Ende des Bauernkriegs – Die Perspektive der Verlierer am 07.06.2023, Peter Rückert (Stuttgart)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Herzog Ulrich und die habsburgische Statthalterregierung am 14.06.2023, Franz Brendle (Tübingen)
  • Die „Gemaine Landschaft“ der württembergischen Aufständischen am 21.06.2023, Lea Wegner (Böblingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung 
  • Instrument ungerechter Herrschaft? Burgen und ihre Rolle im Bauernkrieg am 28.06.2023, Christian Kübler (Tübingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Rezeption des Deutschen Bauernkriegs in der Kunst am 05.07.2023, Cornelia Wenzel (Böblingen)
  • Der Bauernkrieg in der Erinnerungskultur und im Geschichtsunterricht am 12.07.2023, Bernd Grewe (Tübingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung
  • Der Bauernkrieg im Zeitalter der Extreme (20. Jahrhundert) am 19.07.2023, Tjark Wegner (Tübingen)/ Hier geht es zur Aufzeichnung